Gesundheitswirtschaft: Letzte Meile 2.0

Gesundheitswirtschaft: Letzte Meile 2.0

Berlin, 06.06.2017 – Der Entfernung zum Trotz immer näher an den Patienten: Die digitale Transformation hat längst auch das Gesundheitswesen erfasst. Deutschland allerdings hinkt je nach Segment mehr oder weniger deutlich hinterher, so ein Fazit auf dem 10. Kongress des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken. „In Australien können Patienten mit ihrem Smartphone bestimmen, ob sie an einer chronischen Erkrankung der Lunge leiden“, so Alexander Schachinger vom Beratungsunternehmen EPatient RSD. „Sie husten einfach in ihr Smartphone.“ Die Diagnose sei zu 98 Prozent sicher. In Deutschland ist die Rechtsgrundlage eine andere, und Schachinger sieht auf absehbare Zeit eher Chancen bei sogenannten E-Coaching-Angeboten - beispielsweise bei Apps, die Patienten an die Medikamenteneinnahme erinnern. Am größten seien die Chancen auf Akzeptanz immer dann, wenn eine App direkt vom Arzt im Patientengespräch empfohlen werde. Gerade für Krankenhäuser sieht Schachinger große Potenziale: Hier könnten wichtige Primärdaten erhoben werden. „Wenn Ärzte ihren Patienten nach der Operation eine App mitgeben, die das tägliche Befinden abfragen, können unverfälschte Versorgungsforschungsdaten erhoben werden.“ Es gehe um Big Data: „Wir sprechen von der letzten digitalen Meile zum Patienten“, so Schachinger.

Hartmut Deiwick und Thomas Königs auf dem Kongress des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken
Hartmut Deiwick (rechts) und Thomas Königs auf dem Kongress des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken am 1. Juni 2017 in Berlin (Quelle: BVDVA)

Neben der digitalen geht es in vielen Fällen auch um die reale letzte Meile im Gesundheitswesen - so auch bei den Versandapotheken. „Die Menschen wollen einen klaren Lieferort und eine klare Lieferzeit für ihre Medikamente“, sagt Hartmut Deiwick, der die letzte Meile zum Kunden auf die Agenda der Versandapotheke Aponeo brachte: Er hat frühzeitig auf die taggleiche Zustellung oder auch das Liefern in wählbaren Zeitfenstern gesetzt. Deiwick arbeitet hier mit Thomas Königs von DHL Paket als Logistikpartner. Auch Königs meint: Die Kunden wollten mittlerweile in den Versandweg eingreifen und im Zweifel den Lieferort oder die Lieferzeit auch noch kurzfristig ändern, um ihrem Paket nicht hinterherlaufen zu müssen. Perspektivisch könnten sich die Verhältnisse hier sogar gänzlich umkehren - und der Fahrer fährt dem Empfänger hinterher. Es gebe hier Start-ups, die an entsprechenden Lösungen arbeiteten. Fest steht: Das Versandvolumen werde weiter steigen. Auch bei den Versandapotheken. Zugleich stiegen die Anforderungen der Menschen. Das erfordere neue Lösungen.

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