E-Health und Wearables: Deutschland hinkt hinterher

Immerhin vier von zehn Menschen in Deutschland würden per Online-Videokonferenz mit ihrem Arzt sprechen, so eine aktuelle Umfrage.

Berlin, 25.11.2105 – Immerhin vier von zehn Menschen in Deutschland würden per Online-Videokonferenz mit ihrem Arzt sprechen, so eine aktuelle Umfrage. Und jeder Dritte würde ein elektronisches Rezept an seine Apotheke oder Online-Apotheke senden, wenn dies möglich wäre. Bei jungen Menschen ist die Zustimmung jeweils noch deutlich höher. Nur sind Videokonferenzen und elektronische Rezepte in Deutschland nach wie vor Zukunftsmusik. „Es gibt immer wieder Pilotprojekte, aber es fehlt der große Schritt“, sagt Hartmut Deiwick. Er ist kaufmännischer Leiter von Aponeo, einer Online-Apotheke aus Berlin. Er hat die Umfrage initiiert. „Telemedizin ist in Deutschland seit zehn Jahren auf der politischen Agenda. Trotzdem steckt sie immer noch in den Kinderschuhen.“ Die Bremse seien andauernde Revierkämpfe innerhalb der Gesundheitswirtschaft. „Was für die Patienten am besten wäre, ist da oft zweitrangig.“


Hartmut Deiwick, Mathias Bosse und Udo Sonnenberg (v.l.n.r.)

Nun arbeite die Bundesregierung zwar seit geraumer Zeit an einem so genannten E-Health-Gesetz, sagt Udo Sonnenberg. Er ist Geschäftsführer beim Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA). Aber: „Das Gesetz ist nur Grundlagenarbeit. Die Grundlagen sind natürlich wichtig. Ein großer Wurf wird das Gesetz so aber nicht.“ Das elektronische Rezept beispielsweise sei ausgeklammert und bleibe in Deutschland Theorie, während es in Skandinavien oder auch Belgien längst etabliert sei, teilweise flächendeckend. Sonnenberg: „Das aktuelle E-Health-Gesetz ist noch nicht verabschiedet und dennoch brauchen wir schon jetzt eine Folgeregelung für einheitliche digitale Standards im Gesundheitswesen. Der Prozess ist also nicht abgeschlossen, er beginnt gerade."

Auch bei der Nutzung von Daten aus so genannten Wearables hinkt die deutsche Gesundheitswirtschaft anderen Ländern hinterher. Beim Remote Monitoring von Patienten sind andere Länder führend, allen voran die USA. Dabei zeigt die oben genannte Umfrage: Drei Viertel der Menschen in Deutschland sind offen für Wearables – sie nutzen sie entweder bereits oder aber befürworten die entsprechenden Technologien, auch wenn sie (noch) nicht Gebrauch davon machen. „Das Potenzial ist da, nur fehlen im deutschen Gesundheitsmarkt noch die strukturellen Voraussetzungen, um das große Potential von Digitalisierung und Vernetzung zu nutzen“, sagt Mathias Bosse von Emperra aus Potsdam. Das Start-Up-Unternehmen ist auf Wearables und Dienstleistungen rund um Diabetes spezialisiert - und will in den internationalen Wettbewerb einsteigen.


Insgesamt 1004 erwachsene Menschen in Deutschland haben an der Umfrage teilgenommen, TNS Emnid hat die Befragung telefonisch durchgeführt. Zeitraum der Umfrage war Oktober 2015.

„Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes sind Ärzte und Patienten auf einen verlässlichen Datenaustausch angewiesen“, so Bosse. Statt Insulin- und Blutzuckerwerte in ein Tagebuch einzutragen, ließen sich die Daten viel einfacher über vernetzte Geräte direkt übertragen. „Wearables werden im deutschen Gesundheitswesen irgendwann Standard sein“, so Bosse. Auch Online-Apotheken könnten hier eine Rolle spielen. „Die Frage ist, ob am Ende solche Unternehmen als Mittler zwischen Ärzten und Patienten stehen, die mit sensiblen Daten verantwortungsvoll umgehen“, sagt Deiwick von Aponeo. Datenschutz werde in den USA nun einmal anders verstanden als hierzulande.

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